Schulpartnerschaft mit Sambia

          

Seit 1986 besteht an der Ingeborg-Drewitz-Gesamtschule das Projekt einer Schulpartnerschaft mit zwei weiterführenden Schulen in Sambia, einem der ärmsten Länder im südlichen Afrika. Unsere zwei Partnerschulen sind die Macha Secondary School, eine Mädcheninternatsschule und die St.Mark's Secondary School, eine Jungeninternatsschule.  Die beiden Schulen liegen ca. 20 km voneinander entfernt. Im Rahmen dieser Schulpartnerschaft findet im jährlichen Wechsel ein Schüleraustausch statt, ein Besuch an den Schulen in Zambia und im darauffolgenden Jahr der Gegenbesuch in Gladbeck. Die Schulpartnerschaft wurde im Jahre 1987 durch das Land NRW offiziell anerkannt. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen an den sambischen Schulen sind sehr schwierig. In diesem Jahr ist die Ernährungslage ausgesprochen schlecht, weil die Maisernte sehr schlecht ausgefallen ist und Mais ist das Grundnahrungsmittel in Sambia. Unterstützt wird die Schulpartnerschaft durch die Sambia AG und den Sambia-Verein.

Eine grafische Übersicht über unsere Schulpartnerschaft finden Sie hier

Miteinander Leben

Kernstück der Schulpartnerschaft ist die direkte Begegnung, das Miteinanderleben für ein paar Wochen. Alle zwei Jahre - dieses Jahr zum neunten Mal- besuchen uns Gruppen von den beiden sambischen Schulen, im jeweils folgenden Jahr ist eine Gruppe aus Gladbeck dort zu Gast.

Die sambischen Gäste in Deutschland (Das Besuchsprogramm 2010 finden Sie hier)

Wesentlicher Bestandteil des Programms ist die Integration der sambischen Gäste in das schulische Leben. Dies funktioniert, wenn die deutschen LehrerInnen und SchülerInnen die anfängliche Scheu überwinden, sich auf Englisch zu verständigen.

Das Programm ist darüber hinaus so gestaltet, dass die Gäste verschiedene Aspekte des Lebens in Deutschland kennen lernen. Verständigungsschwierigkeiten treten immer wieder auf, wenn es um Probleme der deutschen Gesellschaft geht; z. B. Umweltschutz oder Arbeitslosigkeit.

Auf den ersten Blick verhindert der bewunderte materielle Überfluss, dass die Gäste Probleme überhaupt wahrnehmen können. Konkrete Alltagssituationen führen dann zu eigenen kritischen Erfahrungen z. B. im Umgang mit der ständig knappen Zeit, mit Isolierung und Anonymität, mit Ausgrenzung alter Menschen, mit der Abhängigkeit von Maschinen im Alltag.

Außergewöhnlich und anfangs bei den Partnerschulen etwas umstritten, ist die Teilnahme sambischer Schüler und Schülerinnen. Sie sind aber besonders wichtig für die deutschen Schüler und Schülerinnen, besonders die, die mit ihrer Familie ihre Gastgeber sind. Trotz intensiver Vorbereitung in einer AG ersetzt kein abstraktes Wissen die konkrete Erfahrung. Vom Entsetzen, einen Gast in Empfang zu nehmen, der für eine vierwöchige Reise nur eine Aktentasche mitbringt, über die Erfahrung, wie sehr jemand fließendes kaltes und warmes Wasser genießen kann, bis zu dem Erstaunen über den abrupten Wechsel zwischen totaler Bescheidenheit und plötzlichen Ansprüchen erleben die deutschen Gastgeber intensiv, anstrengend, aber auch bereichernd das gemeinsame Leben mit den afrikanischen Gästen.

Aus einer Rede des damaligen Schulleiters W. Kohlhoff anläßlich der Farewell-Party für die sambischen Gäste 1990:

„.... Ich möchte persönlich nur eine Frage beantworten, die im Zusammenhang mit dem Besuch der sambischen Gäste immer wieder gestellt wird: Wäre es nicht besser, das Geld, das uns der Besuch unserer Freunde hier kostet, nach Zambia zu schicken, um dort die Not zu lindern? Diese Frage beantworte ich auch nach dem dritten Besuch mit einem „Nein“!Meine Begründung ist folgende: Persönlicher Kontakt, gegenseitiges unmittelbares und direktes Lernen voneinander ist erforderlich, weil es  notwendigerweise zur Folge hat, dass wir unsere eigenen Werthaltungen hinterfragen und unsere gegenseitigen Meinungen voneinander relativieren. Hilfe und Solidarität wird so konkret und dringend.Noch wichtiger erscheint mir aber – in Abwandlung eines afrikanischen Sprichwortes: Wenn viele kleine Leute viele kleine Leute kennen lernen und die etwas gemeinsam machen, kann etwas Großes geschehen, weil es die Großen in Sambia wie hier nicht mehr so leicht haben, ihre großen Deals auf unserem Rücken auszutragen. Von daher halte ich solche gegenseitigen Besuche, auch angesichts des immer bedrohlicheren Nord-Süd-Konfliktes, für überlebensnotwendig.“

Die deutschen Gäste in Sambia (Das aktuelle Besuchsprogramm 2011 finden Sie hier)

Das Kernstück der Reisen bildet jeweils der Arbeitsaufenthalt an den Schulen in Macha und Mapanza; ein Eintauchen in eine fremde Welt, erleichtert durch die fürsorgliche Betreuung durch Freunde, die man vorher als Gäste in Deutschland kennen gelernt hat.

Die noch heute an der ehemaligen Kolonialmacht Großbritannien orientierten alltäglichen Abläufe an diesen Internatsschulen und die häufig von extremem Mangel bestimmte Lebenssituation der SchülerInnen machen erfahrbar, unter welchen Bedingungen Jugendliche in Sambia leben müssen. Der Besuch einer Secondary School erscheint ihnen als ein besonderes Privileg, für das sich ihre Eltern finanziell fast völlig verausgaben.

Um die Kosten niedrig zu halten und die Versorgung ihrer Schüler sicherzustellen, unternehmen die Schulen – wie fast alle Bildungseinrichtungen in Sambia – eignen Gemüse- und Maisanbau, halten Tiere und führen viele Bau- und Reparaturarbeiten selbst aus. Die „production units“ sind im Stundenplan fest verankert. Hier können die Gladbecker Gruppen hautnah erleben, was es bedeutet, eine schulische Ausbildung vor dem Hintergrund materieller Unsicherheiten zu durchlaufen.

Ansprechpartner: Guntram Seippel, Projektleiter Ingeborg-Drewitz-Gesamtschule